Plainfeld / Koppl, Österreich
Salzburgring im Nesselgraben, gerettet von einer Unterschriftenaktion
Geschichte des Salzburgrings: von Rindts letztem Rennen und den Motorrad-GP am 1. Mai bis zum Lärmstreit, der Pacht bis 2045 und den Trackdays bei Salzburg.
- Typ
- Rennstrecke
- Eröffnung
- 1969

Am 1. Mai 1977 schien über dem Nesselgraben die Sonne, an den Hängen über der Strecke standen rund 70.000 Menschen, und im Fahrerlager hatte sich die gesamte Spitze der Motorrad-Weltmeisterschaft versammelt. Der Jubiläums-Grand-Prix von Österreich sollte ein Fest werden; er endete mit dem Tod des Schweizers Hans Stadelmann, einer Reihe von Schwerverletzten und dem Boykott des Rennens der 500-cm³-Klasse durch die Stars. Dieser Tag ist der Schlüssel zum Verständnis des Salzburgrings: einer Strecke, die schnell ist wie kaum eine andere in Europa und so eng in ein Tal gezwängt, dass jede Sicherheitszone den Felsen und Wiesen abgerungen werden musste. Die Strecke, die die Landesregierung 1981 schließen wollte und die die Anrainer in Koppl heute gerne leiser hätten, hat einen Pachtvertrag bis Ende 2045 und einen von März bis November gefüllten Kalender.
| Lage | Nesselgraben zwischen Koppl und Plainfeld, Bundesland Salzburg, Österreich; Adresse Salzburgring 1, 5325 Plainfeld |
| Typ | permanente Rennstrecke |
| Länge | mehr als 4,2 km |
| Steigung | max. 3,8 Prozent bergauf, 1,8 Prozent bergab; 648,3–670,6 m ü. A. |
| Längste Gerade | Start-Ziel-Gerade, 750 m |
| Eröffnung | 20.–21. September 1969 |
| Eigentümer / Betreiber | Land Salzburg / Verein IGM Salzburgring (Internationaler Gemeinnütziger Motorsportverein Salzburgring), Geschäftsführer Ernst Penninger |
| Schnellste GT3-Runde | 1:17,768, Leo Pichler, Porsche 911 GT3 R, ADAC GT Masters, 5. September 2026 |
| Wichtigste Veranstaltungen | Motorrad-GP von Österreich 1971–1994, Formel 2 (1970er Jahre), Sportwagen-Weltmeisterschaft 1976–1977, ETCC, DRM, DTM, STW, WTCC 2012–2014, TCR, ADAC GT Masters seit 2025 |
| Status | in Betrieb; Pacht bis 31. Dezember 2045 |
Ein Dirigent auf der Testrunde
Bevor die Strecke offiziell eröffnet wurde, testete sie Herbert von Karajan. Am 25. August 1969 fuhr der Dirigent mit einem Porsche 908/02 „Flunder“ über den noch nicht eröffneten Salzburgring und erreichte Geschwindigkeiten von etwa 200 km/h; zu den Zuschauern gehörten unter anderem der Ingenieur Herbert Kaes, ein Neffe Ferdinand Porsches, sowie Fritz Stengl, der Chef der Zeitnahme bei den Salzburger Veranstaltungen. Derselbe Stengl hatte ein Jahr zuvor, am Mittwoch, dem 4. September 1968, gemeinsam mit Willy Löwinger als Mitgeschäftsführer der Salzburg-Ring Ges.m.b.H. die Bauaufträge unterzeichnet; die Arbeiten begannen Mitte September.
Löwinger, Präsident des Österreichischen Automobil-Sport-Clubs und Ideengeber der Europa-Bergmeisterschaft, war hier die treibende Kraft. Die Baugesellschaft bildeten das Land und die Stadt Salzburg, die Gemeinden Koppl und Plainfeld, die Klubs ARBÖ, SAMTC und ÖASC sowie die Firmen Porsche Austria, Mercedes-Benz Österreich, Ford Austria und Semperit. Der Grund gehörte und gehört weiterhin dem Land. Die Strecke entstand parallel zum Österreichring in Spielberg, der bereits im Mai 1969 in Betrieb ging.
Der Salzburgring wurde am Wochenende des 20. und 21. September 1969 eröffnet. Im Formel-V-Rennen fuhren unter anderem Niki Lauda, Helmut Koinigg und Dieter Quester, und das Rennen der großen Prototypen gewann Kurt Ahrens im Porsche 908. Die Datenbank RacingCircuits.info ergänzt, dass bei den Eröffnungsrennen der Tourenwagen Helmut Marko, Quester und Johann Abt starteten und dass die Strecke schon damals sowohl die lange als auch die kurze Schleife nutzte. Die Gesellschaft bewarb sich 1970 nicht um einen Grand Prix der Formel 1: Eine solche Veranstaltung hätte 2,5 Millionen Schilling gekostet.
Das letzte Rennen von Jochen Rindt
Am 30. August 1970 wurde auf dem Salzburgring der Festspielpreis ausgetragen, ein Formel-2-Rennen in zwei Läufen. „Motor Sport“ schrieb, dass trotz der Kritik an den Leitplanken, die die Strecke umgaben und mehrere Kurven fast völlig blind machten, ein gutes Feld angereist war: drei Werks-BMW und beide Lotus 69 des Teams von Jochen Rindt. Im Warm-up vor dem ersten Lauf machte Rindts Motor Probleme, im Öl fand sich Wasser, also tauschten die Mechaniker das Aggregat in aller Eile. Im zweiten Lauf beherrschte der Österreicher das Rennen von Start bis Ziel, obwohl er einige Plätze verloren hatte, nachdem ihn ein Überrundeter aufgehalten hatte, und kam, wie der Korrespondent schrieb, vollkommen begeistert an die Box. Die Gesamtwertung gewann Jacky Ickx im BMW vor Vittorio Brambilla und Quester. Sechs Tage später verunglückte Rindt beim Training in Monza tödlich.
Michael Steffny, heute Organisator der Histo-Cup-Serie, sah dieses Rennen als Jugendlicher. So erinnerte er sich 2019 daran: „Als Jugendlicher noch den Jochen Rindt […] bei seinem letzten Rennen auf dem Salzburgring zu erleben, das war ein Wahnsinn für uns Buben. Er startete aus der letzten Reihe und kam als Erster an.“ Im selben Rennen verunglückte Patrick Depailler mit seinem Pygmée am Ende der Geraden so schwer, dass der Wagen abgeschrieben werden musste. Laut Salzburgwiki wurde gerade 1970 auf Initiative Rindts der erste Streckenposten-Klub gegründet, aus dem im Jahr 2000 der Internationale Streckensicherungs Club Austria hervorging.
Rennen am 1. Mai
Der Motorrad-Grand-Prix von Österreich wurde nach dem Krieg auf der Autobahn bei Salzburg gefahren: in den Jahren 1947–1965 bei Liefering, danach auf einem Abzweig bei Anif-Grödig, und 1970 zum ersten Mal auf dem Salzburgring, noch ohne WM-Status. Die Premiere mit Weltmeisterschaftspunkten fiel auf den 9. Mai 1971 und war der Saisonauftakt. Der Veranstalter, der Klub ARBÖ, hatte mit 20.000 Zuschauern kalkuliert, um auf eine schwarze Null zu kommen; es kamen 35.000. Das Budget betrug 900.000 Schilling, davon gingen 630.000 für Startgelder und Preise an hundert Fahrer aus 19 Ländern. Am meisten, 25.000 Schilling, erhielt Giacomo Agostini, der die Klassen 350 und 500 gewann.
Die Rennen rund um den 1. Mai wurden zur Marke. Salzburgwiki zählt die Stars auf, die hier die Massen anzogen: Agostini, Toni Mang, Kenny Roberts, Randy Mamola, Freddie Spencer, Eddie Lawson, Wayne Rainey, Wayne Gardner, Kevin Schwantz. In den Jahren 1971–1994 fiel der Grand Prix nur zweimal aus dem Kalender: 1980, als Ende April fast ein Meter Schnee die Strecke bedeckte und der ARBÖ die FIM um spätere Termine bat, sowie 1992, als der Klub nach der Übernahme der kommerziellen Rechte durch Dorna und Bernie Ecclestone aus finanziellen Gründen auf die Organisation verzichtete.
Mick Doohan, Sieger des letzten Grand Prix im Jahr 1994, nannte den Salzburgring seine Lieblingsstrecke. RacingCircuits.info zitiert ihn so:
„Klar, sie war schnell und gefährlich, aber auch ein Riesenspaß. Für mich ist das genau das, worum es im Motorradrennsport geht“.
Den letzten Lauf zur Weltmeisterschaft, vom 20. bis 22. Mai 1994, führte bereits ein anderer Veranstalter durch, Franz Rau von der deutschen Firma MotoMotion; neben Doohan gewannen Loris Capirossi (250) und Dirk Raudies (125). 1995 gastierte noch einmal, ein einziges Mal, die Superbike-Weltmeisterschaft, und 1996 zog der Motorrad-Grand-Prix von Österreich auf den umgebauten A1-Ring in der Steiermark um. Der Grund war prosaisch: die steigenden Anforderungen an die Sicherheitszonen, für die im engen Tal kein Platz war.
Der 1. Mai 1977
Das Unglück begann in der siebten Runde des Rennens der 350-cm³-Klasse, das den Tag eröffnete. Der Italiener Franco Uncini, der als Zweiter hinter John Ekerold fuhr, kam zu schnell in die Fahrerlagerkurve und schlug mit etwa 190 km/h in die mit Strohballen gepolsterten Leitplanken ein. Das Motorrad prallte auf die Strecke zurück, und die unmittelbar dahinter fahrenden Johnny Cecotto, Dieter Braun und Patrick Fernandez konnten nicht mehr ausweichen. Etwa zehn Sekunden später rutschte Hans Stadelmann auf einem Öl- und Benzinfleck aus und fuhr mit seiner Yamaha direkt in die Unfallstelle.
Der 35-jährige Stadelmann, mehrfacher Schweizer Meister, starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Fernandez wurde bis zum Abend operiert, Braun erlitt eine Gehirnerschütterung und eine Halswirbelsäulenverletzung, Cecotto brach sich die linke Hand, verletzt wurde auch ein Streckenposten. Die Rennleitung brach das Rennen ab, und die Jury beschloss, es nicht zu wiederholen; es wurde nicht zur Weltmeisterschaft gewertet. An jenem Nachmittag hieß es im Fahrerlager, es sei zu spät signalisiert worden, die Fahrer seien unter gelben Flaggen nicht vom Gas gegangen und die Rettungsdienste hätten versagt. Max Wiener fasste die Stimmung des Feldes in einem Satz zusammen: „Wenn ich bremse, fahren mir fünf vor, was soll's?“. Ein Teil der Zuschauer in der Kurve verlor die Nerven und bewarf die Retter mit Steinen.
Die Fahrer der Klassen 125 und 500 forderten vom Veranstalter eine erneute Schulung der Streckenposten, kritisierten die medizinische Versorgung, die Hubschrauber und die zu kleinen Salzburger Krankenhäuser. Das Rennen der 125er startete mit Verspätung, in der Klasse 500 verweigerten die Stars jedoch den Start: Die gesamte erste Reihe fehlte, 15 Fahrer gingen an den Start, das Ziel sahen sechs. Wiener aus Bad Ischl führte 17 Runden lang, bevor ihn der Routinier Jack Findlay überholte. So sah der Teilboykott der populärsten Klasse der Motorrad-Weltmeisterschaft aus, den die „Salzburger Nachrichten“ tags darauf beschrieben.
Die Sicherheit hatte schon früher Umbauten erzwungen. Laut RacingCircuits.info führten Bedenken wegen des letzten, weiten Bogens dazu, dass dort 1976 eine Schikane eingebaut wurde, in der Praxis eine Folge recht schneller Kurven. 1986 kam eine echte Schikane am Ende der Start-Ziel-Geraden hinzu, die das Tempo vor der Emco-Kurve drosselte, zunächst nur für Motorräder. Salzburgwiki liefert den Hintergrund: Mit dem Auslaufen der Lizenz 1985 schrieben FIM und FISA Änderungen am Streckenverlauf und an den Sicherheitseinrichtungen vor, und der Betreiber investierte von Oktober 1985 bis April 1986 etwa 2,8 Millionen Schilling in eine Schikane bei 0,6–0,8 km, die Begradigung eines Abschnitts bei 2,7–2,9 km, Auslaufzonen, einen neuen Belag und versetzte Leitplanken.
Die Liste der Opfer endete nicht 1977. Im Mai 1989 starb bei einem Motorradrennen der Österreicher Heinz Hutter. Am Samstag, dem 16. Juli 1994, verlor im Training vor dem Rennen um den ADAC-Bayernpreis in der kleinen Division der Deutschen Tourenwagen Trophy ein 40-jähriger Opel-Astra-Fahrer am Ausgang der Fahrerlagerkurve die Kontrolle über sein Auto. Der Wagen wurde auf die Leitplanke geschleudert, stürzte dahinter hinab und tötete drei Streckenposten aus Bad Goisern: Christian Pfandl sowie die Brüder Hermann und Alfred Lahnsteiner, die seit Jahren auf dem Salzburgring arbeiteten. Die Rennen des Wochenendes wurden abgesagt.
Zwei Geraden und ein Bogen, der nicht endet
Die Form der Strecke gab das Tal vor. Die 750 Meter lange Start-Ziel-Gerade, die längste der vier, verläuft an einem Hang, die Gegengerade führt am anderen leicht bergauf zurück, und unten verbindet sie ein langer Rechtsbogen über dem Fahrerlager. Der Betreiber nennt eine maximale Steigung von 3,8 Prozent auf der Gegengeraden und ein Gefälle von 1,8 Prozent in der Fahrerlagerkurve; die Strecke liegt zwischen 648,3 und 670,6 m ü. A. Der Höhenunterschied beträgt etwa 22 m, die Mindestbreite 10 m, und wenn man die beiden Geraden vor der Nockstein-Kehre verbindet, lässt sich eine kürzere Schleife von 2910 m Länge fahren. Der Boxenkomplex hat 31 Boxen, das Fahrerlager im Inneren der Schleife 24.900 m².
Der Betreiber selbst beschreibt die Kurven in der Sprache eines Instruktors. Die Bridgestone-Schikane nach dem Start ist der langsamste und engste Punkt der Strecke; die Nockstein-Kehre, eine leicht überhöhte Kehre, wird oft unterschätzt, weil sie einen sehr späten Scheitelpunkt hat. Die Gegengerade ist streng genommen eine Folge sanfter Bögen, die man im Idealfall mit Vollgas fährt: „Im Rennen kommt es hier zu regelrechten Windschatten-Schlachten.“ Über die Fahrerlagerkurve schreibt der Betreiber: „Unter den Rennfahrern wird sie gleichermaßen geliebt wie gehasst.“ Man lenkt am schnellsten Punkt der Strecke ein, die Linie führt vom linken Rand zum rechten und wieder nach links, und die Legende, dass man hier außen überholen kann, stimmt. Die Reiner S am Ende der Runde besteht im Grunde aus drei Kurven, und der Fahrer „muss agieren wie ein Skifahrer: immer ein Tor vorausdenken“. Der Name Reiner S wurde 2021 zu Ehren von Alexander Reiner vergeben, dem langjährigen Präsidenten und Direktor der Strecke; im selben Jahr wurde Friedrich Lehensteiner Präsident des IGMS.
Die Geschwindigkeit an diesem „schnellsten Punkt“ nannten die Fahrer selbst. Vor der Premiere des ADAC GT Masters im September 2025 sagte Jannes Fittje über die Fahrerlagerkurve: „Wir haben dort einen Speed von rund 245 km/h. Das ist eine der schnellsten Kurven, die ich jemals gefahren bin.“ Jakob Schober aus der BMW-Challenge-Serie verglich sie 2019 mit einer Fahrt auf Messers Schneide: „Wir haben vor der berühmt-berüchtigten Fahrerlagerkurve zwar Respekt, aber wir lieben sie. Wir wissen, da ist die Zeit zu holen, wenn du auf dem Gas bleibst.“
1998 wurden laut RacingCircuits.info neue Boxen gebaut und die Emco-Schikane verschärft, die seither für Autos und Motorräder verpflichtend ist. Von der alten Anlage nicht erhalten ist unter anderem der Zeitnehmerturm des „Kurier“, der 1999 abbrannte.
Das Jahr, in dem die Strecke verschwinden sollte
Elf Jahre nach der Eröffnung schrieb der Salzburgring immer noch Verluste. Am 25. November 1980 befasste sich der Salzburger Landtag mit der Strecke, die das Land bereits 30 Millionen Schilling gekostet hatte, und drohte mit der Schließung, falls sich die Auslastung nicht verbessere. Die Landesregierung erwog eine Umwidmung des Geländes, sogar den Bau einer Freilichtbühne für Karl-May-Spiele. Am 23. März 1981 fiel die Entscheidung, die Strecke zu schließen.
Zwei Tage später startete die Aktion „Ja zum Salzburgring“. Es schlossen sich der Streckenposten-Klub, die IG Salzburgring, der Motor Veteranen Club Salzburg, der Kartklub und der ARBÖ Salzburg an; Unterschriften kamen auch aus Neuseeland, den USA, Chile und Südafrika. Das Argument für Nichtfans lautete: Es wäre unsinnig, 70 Millionen Schilling im Nesselgraben zu vergraben und weitere 20 Millionen für den Abriss draufzulegen.
Helmut Krackowizer, Ökonom, Motorjournalist und Präsident des Salzburger Veteranenklubs, handelte im August 1981 mit Finanzlandesrat Anton Bonimaier die Bedingungen der Übernahme aus: Verzicht auf öffentliche Subventionen, Übernahme der Verbindlichkeiten der Gesellschaft, ein Pachtzins von 150.000 Schilling, zahlbar bei der Ausrichtung eines Weltmeisterschaftslaufs. Bonimaier hatte zunächst 600.000 Schilling jährlich gefordert. Im September 1981 wurde der Verein IGMS gegründet (Eintragung ins Vereinsregister am 16. September), der die Strecke seit dem 1. Januar 1982 betreibt. Schon das erste Jahr schloss er mit einem Plus ab: 2,6 Millionen Schilling Einnahmen gegenüber 2,1 Millionen Ausgaben.
Im Dezember 1984 wurde Alexander Reiner, früher technischer Direktor von British Leyland Austria und Tourenwagenfahrer, Präsident des IGMS; er leitete die Strecke bis 2018. Ein Schreiben des Amtes der Landesregierung vom 30. Juli 1985 stellt ausdrücklich fest, dass ohne Krackowizers Initiativen eine Verpachtung an den IGMS „entweder nicht oder nur zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt erfolgt wäre“. Die Kritiker verschwanden nicht: Im Januar 1983 versuchte die „Aktionsgemeinschaft gegen die Weiterführung des Salzburgringes“, die Behörden zur Schließung der Anlage zu bewegen, und 1988 gab die Salzburger Bürgerliste bei einem Architekten ein Konzept zur Umwandlung des Geländes in eine Gewerbe- und Wohnzone in Auftrag; die Landesplaner lehnten es 1993 ab, weil die Siedlung mehr Einwohner gehabt hätte als die gesamte Gemeinde Plainfeld.
Der Lärm war schon damals ein Argument. Der Oldtimer Grand Prix, seit 1974 neun Auflagen mit Hunderten historischer Motorräder und Autos, mit Juan Manuel Fangio im Mercedes W 196 im Jahr 1979 sowie John Surtees, Luigi Taveri und Niki Lauda im Jahr 1981, konnte 1989 wegen der verschärften Landesvorschriften zum Lärmschutz nicht stattfinden.
Autos: vom Bavaria-Rennen zum GT Masters
Auf vier Rädern war der Salzburgring jahrzehntelang die „zweite Liga“ neben dem Österreichring, aber eine gut besetzte. 1971 kamen im Rahmen des Tauernpokals die Zweiliter-Sportwagen der Europameisterschaft, 1976 und 1977 die Sportwagen-Weltmeisterschaft: Es gewannen Jochen Mass im Porsche 936 und Vittorio Brambilla im Alfa Romeo T33/SC/12. Die Datenbank von „Motor Sport“ verzeichnet Brambillas Runde von 1977 mit 1:12,45. Der ADAC veranstaltete hier in den Jahren 1971–1982 das Bavaria-Rennen im Rahmen der Deutschen Rennsport Meisterschaft, mit Porsche 935, Ford Capri Turbo und BMW M1, gefahren von Stefan Bellof, Klaus Ludwig oder Hans-Joachim Stuck. Die Formel-2-Europameisterschaft gastierte hier regelmäßig in den Jahren 1972–1976, die Tourenwagen-Europameisterschaft durch die 1970er Jahre und die erste Hälfte der 1980er. Später kamen die DTM, die STW der 1990er Jahre und die V8-STAR.
Am 20. Mai 2012 kehrte die Weltmeisterschaft zurück: mit einem WTCC-Lauf. Die Veranstaltung kostete den Ausrichter rund eine halbe Million Euro, davon gingen 160.000 Euro an die Serie; laut Reiner unterstützte Dietrich Mateschitz die erste Auflage. Die WTCC gastierte hier bis 2014, 2013 als einziger Lauf im deutschsprachigen Raum. Ein Jahr zuvor hatte der Betreiber drei Millionen Euro für die von der FIA geforderte direkte Zufahrt der Lastwagen hinter die Boxen und für ein Retentionsbecken ausgegeben. Nach der WTCC blieb als „internationales Steckenpferd“, wie Reiner sagte, die TCR-Serie, die hier in den Jahren 2015–2017 zu Gast war.
Das jüngste Kapitel begann am 21. und 22. September 2024 mit dem ersten Motorsport Salzburgring Festival mit mehr als 250 Startern und etwa 5000 Zuschauern; den Titel in der Formel 4 holte damals Oscar Wurz, der Sohn von Alexander Wurz. Vom 5. bis 7. September 2025 kam zum ersten Mal in seiner neunzehnjährigen Geschichte das ADAC GT Masters, und Salzburgwiki verzeichnete etwa 10.000 Zuschauer. Am 5. September 2026 fuhr Leo Pichler vom Team razoon im Regenrennen dieser Serie eine Runde in 1:17,768, die schnellste im Feld.
Drei Millionen Euro, die es nicht gab
Im September 2015 wurde klar, dass Dietrich Mateschitz, der Eigentümer von Red Bull, die Strecke für drei Millionen Euro kaufen wollte; der Vertrag wurde im Januar 2016 unterschrieben. Anfang Juli 2016 platzte das Geschäft. Mateschitz erklärte den „Salzburger Nachrichten“, nach ihnen zitiert von Motorsport-Magazin.com und Speedweek: „Wir konnten mit einem Grundbesitzer keine Einigung erzielen. Der wollte für ein paar Meter Zufahrt auf Schotter eine Riesensumme, 10.000 Euro monatlich, an Pacht. Da muss ich sagen, irgendwann ist Schluss, da macht es keinen Sinn mehr“. Das zweite Problem war die rechtliche Konstruktion: Die Bewilligungen hielt der Verein IGMS und nicht die Strecke selbst, nach dem Kauf hätten also alle Rechte neu verhandelt werden müssen. „Da sahen einige offenbar schon die Chance, den Ring zu Fall zu bringen“, fügte er hinzu.
Mit dem Kauf waren Pläne für ein neues Medienzentrum, eine andere Zufahrt für die Lastwagen in den engen Nesselgraben und Korrekturen an der Strecke verbunden, und Reiner hoffte insgeheim auf eine Rückkehr der MotoGP zum 50-Jahr-Jubiläum 2019. Stattdessen sprach er im August 2019 im ORF von einer Rückkehr der DTM im Jahr 2021, für die die Auslaufzone in der Schikane hinter dem Start vergrößert werden müsste. Gefeiert wurde das Jubiläum am 3. und 4. August 2019 mit einem Fest im Fahrerlager und im September mit einem Histo-Cup-Lauf samt Parade von Rennmotorrädern aus den 1960er, 1970er und 1980er Jahren.
Dezibel im Nesselgraben
Der Lärmkonflikt hat seine eigene Chronologie. 2015 entstand auf Initiative der Landesumweltanwaltschaft ein Anrainerbeirat der Strecke. Seit Ende Mai 2021 misst das Landesreferat für Immissionsschutz den Schallpegel von einer Station aus, die 60 m von der Strecke entfernt steht. Schon in der ersten Saison wurde die höchste Spitze, 99,3 dB, am 19. Juli 2021 während eines Testtages gemessen; ein Trackday ergab 96,8 dB, und der allgemeine Grenzwert für die Strecke lag bei 98 dB. „Autos mit Flammrohr oder Klappenauspuff sind unglaublich laut“, sagte der Sprecher des Beirats Norbert Schlager und fügte hinzu, dass die Grenzwerte in Deutschland und den Niederlanden strenger seien, weshalb „Krachmacher“ von dort nach Salzburg kämen. Der Betreiber installierte 2021 eine feste Messstation und senkte die Obergrenze selbst.
Im Mai 2022, nach einem weiteren Histo-Cup-Lauf, dessen vorige Auflage Spitzen von 102 dB ergeben hatte, erklärte Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn von den Grünen, ohne ein seriöses Lärmreduktionskonzept werde er die Verlängerung der Pacht nicht unterschreiben. Geschäftsführer Ernst Penninger antwortete, das Konzept entstehe seit 2018, Testtage fänden nicht mehr an Wochenenden statt und für Autos seien Limits eingeführt worden. Schlager präzisierte, worum es den Anrainern gehe: „Es geht überhaupt nicht darum, die Rennstrecke umzubringen. Es geht um Publikumsfahrten zwischen den Rennen. Leider sind die teilweise lauter als die Rennen.“
Die Entscheidung fiel im Oktober 2023, bereits unter einer Koalition aus ÖVP und FPÖ. Der seit dem 1. Januar 1991 geltende und am 31. Dezember 2025 auslaufende Pachtvertrag wurde bis zum 31. Dezember 2045 verlängert. Die Bezirkshauptmannschaft Salzburg-Umgebung erstellte ein schalltechnisches und medizinisches Gutachten, aus dem hervorging, dass der derzeitige Betrieb weder die Gesundheit gefährde noch eine unzumutbare Belästigung darstelle; die Politik stellte keine Lärmauflagen. Für die Strecke gilt das Veranstaltungsgesetz, und die Bewilligung ist unbefristet. Der Anrainerbeirat löste sich Anfang 2023 aus Protest auf. „Wir kämpfen nicht gegen den Ring oder die Betreiber, sondern gegen private Fahrer, die die Strecke mieten und dort ihre Runden mit bis zu 135 Dezibel drehen“, sagte Schlager; das Land maß in den Jahren 2021–2022 Maxima von bis zu 104 dB. Der Koppler Gemeindevertreter Wolfgang Hyden nannte die Verlängerung ein „fossiles Retroprojekt“ und sagte, zur Strecke kämen etwa 80 Klubs aus Süddeutschland, der Schweiz und Tschechien, und statt fünf Rennwochenenden im Jahr gebe es „ungefähr 180 Tage Dauerlärm“. Die Grünen forderten eine Dezibel-Obergrenze und eine gesetzlich festgelegte Zahl von Renntagen; sie gaben an, 2022 habe es 25 Renntage gegeben, neun mehr als im Jahr zuvor, und 224 Betriebstage. Das Büro der für die Umwelt zuständigen Landeshauptmann-Stellvertreterin Marlene Svazek von der FPÖ antwortete, die Strecke diene Rennen, und es gebe keinen Grund für Einschränkungen, solange sich die Veranstaltungen im Rahmen des Gesetzes bewegten.
Der Betreiber antwortet mit Zahlen. 2023 wurde der Lärm an 249 Tagen gemessen; Trackdays, also Fahrten mit straßenzugelassenen Fahrzeugen, ergaben im Schnitt 66,3 dB, und es gab 59 davon, gegenüber 54 im Jahr 2022 und 51 im Jahr 2021. Die Kategorie „Sonstiges“, hauptsächlich Fahrsicherheitstrainings und Firmenpräsentationen, entfiel auf 125 Tage mit einem Schnitt von 57,8 dB; Tage mit Rennwagen ergaben 73,1 dB und das Festival Electric Love 77,2 dB am Tag und 80,4 dB in der Nacht. Von April bis Oktober 2023 hatte die Strecke 27 Sonn- und Feiertage ohne Motorsport. Im Frühjahr 2023 führte der Betreiber außerdem eine Online-Umfrage mit 2500 Teilnehmern durch: 84 Prozent bewerteten die Strecke positiv, in den Gemeinden Koppl, Hof und Plainfeld rund 70 Prozent. Salzburgwiki weist darauf hin, dass knapp 30 Prozent der Teilnehmer aus den Nachbargemeinden stammten und etwa 15 Prozent überhaupt nicht aus Österreich.
Präsident Lehensteiner sagte dem ORF im Dezember 2023, das Kundenprofil ändere sich: Rennen gebe es nur drei im Jahr, es gebe weniger Trackdays und mehr Fahrsicherheitstrainings, und ab 2024 seien die Fahrten an Sonn- und Feiertagen auf sechs Tage beschränkt. Die sichtbarste Investition nach der Verlängerung der Pacht ist das Solarkraftwerk. Im November 2024 erfolgte der Spatenstich der Salzburg AG für eine Anlage auf 2,1 ha an einem Hang in Plainfeld: 3264 Module, 1,9 MWp Leistung, etwa 2,25 GWh jährlich, so viel wie der Verbrauch von 560 Haushalten, Kosten 1,6 Millionen Euro; die Wiese unter den Modulen beweiden weiterhin Schafe. Salzburgwiki gibt an, dass die Anlage 2025 über der Gegengeraden entstand und die Herde etwa 30 Tiere zählt.
Ein Trackday bei Salzburg
Der Betreiber ist ein Verein: IGM Salzburgring, ZVR-Zahl 597 921 287, mit Sitz Salzburgring 1 in Plainfeld und Geschäftsführer Ernst Penninger, der die Strecke seit 2018 als Nachfolger von Alexander Reiner leitet. Penninger sagte 2023, das Hauptbetätigungsfeld sei heute die Fahrsicherheit: Die Strecke führt Schulungen für die Motorrad- und die zivile Polizei aus ganz Österreich durch, darunter Trainings bei hohen Geschwindigkeiten, und seit jenem Jahr übt hier auch die bayerische Polizei; mindestens 100 Tage im Jahr haben diesen Charakter. 2023 hatte die Strecke 185 Betriebstage, davon waren nur zwölf Motorsporttage.
Der Kalender für den September 2026 zeigt, wie das in der Praxis aussieht: nach dem Wochenende des ADAC GT Masters mit einem Limit von 105 dB ein Wartungstag, dann drei Tage Fahrsicherheitstrainings, ein Firmentag, der Klub ACF Liechtenstein, der European Speed Club, ein Histo-Cup-Lauf, wieder Schulungen, und gegen Monatsende GP Days und GT Days, also Trackdays für Amateure auf Motorrädern und in Autos. Sonntage sind mit „KEIN STRECKENBETRIEB“ gekennzeichnet. Externe Veranstalter wenden unterschiedliche Lärmgrenzen an. Der Pistenclub konnte am 30. April 2024 zum ersten Mal einen „lauten“ Testtag mit einem Limit von 105 dB anbieten, musste aber zwei Stunden Motorenruhe einhalten, die er mit einem Rundgang über die Strecke überbrückte. Motortag, ein Autofest mit Fahrten für das Publikum, lässt Autos, Motorräder und Mopeds bis 50 cm³ in getrennten Gruppen zu, ohne Pflicht zur Straßenzulassung, mit einem Limit von 105 dB und einer Anmeldung über ein Formular. Vor Ort gibt es eine Tankstelle mit Benzin mit 100 und 98 Oktan, sieben Schnellladestationen zu je 150 kW, zwei Tribünen mit 2800 und 300 Plätzen sowie das Gasthaus am Ring.
Den Kalender füllt auch, was mit Motorsport nichts zu tun hat: Electric Love, das größte Festival für elektronische Musik in Österreich, feierte 2023 sein zehnjähriges Bestehen auf der Strecke und zieht bis zu 180.000 Besucher an; das Frequency Festival gastierte hier bis 2008 mit bis zu 70.000 Besuchern. Im Juni 2026 wurde die Strecke für drei Tage dem Bundesheer und der Gemeinde Plainfeld überlassen: 200 Rekruten wurden angelobt, die Schützen aus Plainfeld feierten ihr 225-jähriges Bestehen, und Penninger sprach von einer „öffentlich zugänglichen Multifunktionsarena“.
Matthias Gumpold aus Golling ist seit vierzig Jahren Streckenposten und hat genau hier angefangen, nachdem er mit einem Kollegen hergekommen war und gehört hatte, dass Leute gesucht würden. So erinnert er sich an die früheren Wochenenden um den 1. Mai: „Die Motorradrennen am Salzburgring waren ja die Hölle früher. Da waren so viele Leute, dass du in der Fahrerlagerkurve keinen grünen Fleck mehr gesehen hast“.
Chronik
- 1968: am 4. September Unterzeichnung der Bauaufträge durch Löwinger und Stengl, Baubeginn Mitte September.
- 1969: am 25. August Test von Karajan im Porsche 908/02; am 20. und 21. September Eröffnung der Strecke.
- 1970: erster Motorrad-Grand-Prix von Österreich ohne WM-Status; am 30. August das letzte Rennen von Jochen Rindt.
- 1971: am 9. Mai der erste Lauf zur Motorrad-Weltmeisterschaft; Tauernpokal mit Zweiliter-Sportwagen.
- 1976–1977: Läufe zur Sportwagen-Weltmeisterschaft.
- 1977: am 1. Mai Tod von Hans Stadelmann und Boykott des Rennens der Klasse 500.
- 1980: Grand Prix wegen Schnee abgesagt.
- 1981: am 23. März Entscheidung zur Schließung der Strecke; Aktion „Ja zum Salzburgring“; im September Gründung des IGMS.
- 1982: am 1. Januar übernimmt der IGMS die Führung der Strecke.
- 1985–1986: Umbau auf Verlangen von FIM und FISA, neue Schikane hinter dem Start.
- 1989: Ende des Oldtimer Grand Prix wegen der Lärmvorschriften; Tod von Heinz Hutter.
- 1994: vom 20. bis 22. Mai der letzte Motorrad-Grand-Prix; am 16. Juli Tod dreier Streckenposten.
- 1995: einziger Lauf zur Superbike-Weltmeisterschaft.
- 1998: neuer Boxenkomplex, verschärfte Emco-Schikane.
- 2012–2014: WTCC-Läufe.
- 2013: erstes Electric-Love-Festival.
- 2016: Scheitern des Verkaufs der Strecke an Dietrich Mateschitz.
- 2021: Beginn der Lärmmessungen; Benennung der Schikane Reiner S.
- 2023: Verlängerung der Pacht bis zum 31. Dezember 2045.
- 2024–2025: Bau des Solarkraftwerks; Premiere des ADAC GT Masters.
Bibliografie
- Florian T. Mrazek, „Legende Salzburgring. Tradition mit Innovation“, Verlag Anton Pustet, Salzburg 2019 (Jubiläumsausgabe; der Titel wird in Salzburgwiki und auf der Seite der Strecke genannt, in dieser Sitzung nicht gelesen).
- „15 Jahre Rennstrecke Salzburgring“, Festschrift, Redaktion Peter Bertschinger unter Mitarbeit von Helmut Krackowizer und Ernst Kussin (zitiert nach Salzburgwiki).
Quellen (43)
- Joachim Glaser, Othmar Behr, Salzburger Nachrichten, 1977-05-02 [de]
- Salzburgring, Salzburgwiki (Salzburger Nachrichten), 2026-05-15 [de]
- Salzburgring: Pachtvertrag wird bis 2045 verlängert, 2023-10-05 [de]
- sn.at [de]
- IGM Salzburgring, Die Strecke, salzburgring.com [de]
- Salzburgring, RacingCircuits.info [en]
- ADAC GT Masters, Round 5 (ADAC Racing Weekend), Race 1, Result List (Provisional), Salzburgring, 2026-09-05 [en]
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- Salzburgring map, history and latest races, Motorsport Database [en]
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