Spielberg, Österreich

Red Bull Ring: Österreichring, A1-Ring und Wiederaufbau nach dem Nein des Umweltsenats

Geschichte des Red Bull Rings in Spielberg: Wettlauf um Österreichs erste feste Rennstrecke, Donohues Unfall, Tilkes Verkürzung, der Bescheid von 2004 und Fahren mit eigenem Auto.

Anfahrt

Der Red Bull Ring von einem erhöhten Standpunkt aus während des Rennens der European Le Mans Series 2018: Autos auf der Strecke, rechts eine Tribüne, dahinter das Tal und die Berge
Foto: United Autosports / CC BY-SA 2.0 / Wikimedia Commons (skaliert und zugeschnitten)
Typ
Rennstrecke
Länge
4,326 km
Eröffnung
1969
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Am Sonntag, dem 16. August 1970, versammelte sich an den Hängen oberhalb von Zeltweg eine Menge, die auf 100.000 Menschen geschätzt wurde. Sie wollten Jochen Rindt zu Hause gewinnen sehen. Rindt startete von der Pole-Position, doch nach 21 Runden blieb sein Lotus mit Motorschaden stehen, und das Rennen gewannen Jacky Ickx und Clay Regazzoni in zwei Ferrari. Die Strecke, auf der das geschah, war damals etwas mehr als ein Jahr alt; zeitweise galt sie als die schnellste der Formel 1, 1996 wurde sie auf 4,3 km verkürzt, 2004 stand sie teilweise abgerissen da, als der österreichische Umweltsenat die Pläne des neuen Eigentümers verwarf, und seit 2011 heißt sie Red Bull Ring.

StandortSpielberg, Bundesland Steiermark, Österreich; die Strecke wurde auf Grundstücken der Gemeinden Spielberg und Flatschach gebaut, einige Kilometer vom Militärflugplatz Zeltweg entfernt; Adresse Red Bull Ring Straße 1, 8724 Spielberg
Typpermanente Rennstrecke
Länge4,326 km in der Formel-1-Variante (FIA-Messung entlang der Streckenachse, Stand Sommer 2024); 4,348 km in der Motorradvariante mit der Münzer-Schikane
Kurven10
Höhenprofil65 m Höhenunterschied, maximale Steigung 12 %, maximales Gefälle 9,3 %
Frühere StreckenvariantenÖsterreichring: 5,911 km (1969–1975), nach dem Einbau der Schikane 1977 etwa 5,94 km; seit 1996 die nach Plänen von Hermann Tilke verkürzte Runde
EröffnungÖsterreichring: Wochenende 26.–27. Juli 1969; A1-Ring: 1996; Red Bull Ring: 15. Mai 2011
F1-Rundenrekord im Rennen1:05,619, Carlos Sainz, McLaren-Renault, Großer Preis der Steiermark, 12. Juli 2020
BetreiberProjekt Spielberg GmbH & Co KG
Wichtigste VeranstaltungenGroßer Preis von Österreich der Formel 1 1970–1987, 1997–2003 und seit 2014; Motorrad-Grand-Prix 1996–1997 und seit 2016; DTM
Statusin Betrieb; Vertrag mit der Formel 1 bis 2041, mit der MotoGP bis 2030

Wettlauf mit Salzburg

Bevor in der Steiermark eine feste Rennstrecke entstand, fuhr man einige Kilometer weiter unten, auf den Pisten des Militärflugplatzes Zeltweg. 1964 fand dort der erste Große Preis von Österreich statt, der zur Formel-1-Weltmeisterschaft zählte. Der Kurs war 3,2 km lang und führte über den flachen, holprigen Flugplatz, der beinahe das ganze Feld aufrieb. Unter anderem Jim Clark, Graham Hill, John Surtees, Dan Gurney und Bruce McLaren sahen das Ziel nicht; es gewann Lorenzo Bandini im Ferrari vor Richie Ginther, und der Drittplatzierte Bob Anderson lag drei Runden hinter ihnen. Auch Jochen Rindt fiel aus, der an diesem Tag sein erstes Rennen zur Weltmeisterschaft bestritt. 1965 kehrte die Formel 1 nicht nach Zeltweg zurück, und der österreichische Motorsport zog aus dieser Niederlage die Lehre, dass es für den nächsten Grand Prix eine echte Rennstrecke brauchte.

In der Steiermark trieb der Knittelfelder Rechtsanwalt Dr. Gustav Tiroch, Präsident des örtlichen Motorclubs, die Idee voran. Er wollte im Raum Aichfeld-Murboden eine Strecke bauen, und das Projekt hieß zunächst „Aichfeld-Ring“. In Salzburg machte sich Willy Löwinger, Präsident des Clubs ÖASC (Österreichischer Automobil Sport Club), für eine eigene Strecke stark, überzeugt, der bessere Standort liege näher an Deutschland, in der Stadt, in der die meisten österreichischen Autoimporteure saßen. Helmut Zwickl, ein Journalist, der von mehr als 560 Grand-Prix-Rennen berichtet hat, beschrieb diese Rivalität als Kalten Krieg mit einem Netz von Informanten, die die Fortschritte des Gegners meldeten. Im Herbst 1968 boten die Salzburger an, den Steirern die Kosten der bisherigen Arbeiten zu erstatten, damals schon etwa 5 Mio. Schilling, wenn diese das Projekt aufgäben. Für Tiroch war dieses Angebot „blanker Zynismus, keinen Gedanken wert“; man wolle, so entgegnete er, auch „der strukturschwachen Gegend wertvolle Impulse geben“.

Die Steirer hatten die besseren Karten. Der Club sammelte eine Million Schilling, den Rest der Kosten deckte das Land in Form von Subventionen und Haftungen, und der nationale Verband OSK garantierte, dass ein Lauf zur Formel-1-Weltmeisterschaft, falls überhaupt einer in Österreich stattfinde, zehn Jahre lang in die Steiermark gehen werde. Als Löwinger das ausgesuchte Grundstück in Thalgau verlor und seine Strecke in ein enges Tal zwischen Plainfeld und Koppl zwängen musste, arbeiteten in der Steiermark schon die Planierraupen. Der Österreichring wurde am letzten Juliwochenende 1969 mit Tourenwagen- und Formel-V-Rennen eröffnet, und zwar vom steirischen Landeshauptmann Josef Krainer, laut ÖAMTC mit einem Gipsbein. Der Salzburgring folgte acht Wochen später. Der Bau kostete mehr als 20 Mio. Schilling. Jahrelang wurde die Strecke Zeltweg zugeschrieben, obwohl sie in Spielberg liegt; der ÖAMTC schreibt, der Nachbarort sei damals einfach übergangen worden.

Die erste große Veranstaltung war das 1000-km-Rennen am 10. August 1969, ein Lauf zur internationalen Markenmeisterschaft. Es gewannen Jo Siffert und Kurt Ahrens im Porsche 917. Achte wurden Helmut Marko und Richard Gerin im Porsche 910, und auf Rang 21 wurde ein weiterer Porsche 910 gewertet, in dem Niki Lauda saß.

Fünf blinde Kuppen

Denis Jenkinson, Korrespondent des britischen „Motor Sport“, kam zum ersten Grand Prix und beschrieb, wie die Strecke in einen grasbewachsenen, mit Tannen bestandenen Hang oberhalb von Zeltweg und dem ehemaligen Flugplatz geschnitten war. Er hielt fest, dass auf jeder Kuppe Signalleuchten standen, mit denen man die Fahrer vor dem warnen konnte, was hinter der Kuppe geschah, und dass der Strecke allenfalls eine langsame Kurve oder ein abrupter Richtungswechsel fehle, der maximales Bremsen verlangen würde.

Sie folgt den Konturen des Geländes und ist deshalb reich an steilen Anstiegen, jähen Gefällstrecken und abfallenden Kurven; dazu hat sie fünf völlig blinde Kuppen, hinter denen schnelle Kurven warten, sodass ein Fahrer genau wissen muss, wohin es geht, und präzise auf der Ideallinie zu sein hat.

Jede Kurve wurde mindestens im dritten oder vierten Gang genommen; den ersten und zweiten Gang brauchten die Formel-1-Fahrer nur beim Start und bei der Ausfahrt aus der Boxengasse. Von der Startlinie stieg die Strecke zur schnellen Rechtskurve Hella-Licht an, fiel dann zur Dr.-Tiroch-Kurve ab, die im fünften Gang genommen wurde, und stieg wieder zum höchsten Punkt der Runde an. Dann folgte die Bosch-Kurve, ein Rechtsbogen im vierten Gang ohne Auslaufzone, weil außen eine Tribüne stand, und zum Schluss eine lange Rechtskurve, die im zweiten Jahr der Strecke nach Jochen Rindt benannt wurde. Dieter Quester, der hier auch Tourenwagenrennen fuhr, erinnerte sich: „Der Österreichring war eine 5,9 km lange Mutstrecke. Vollgas vom Start bis zum Ende der Schönberg-Geraden. Auch mit den Tourenwagen erreichten wir locker 300 km/h.“ Das Tempo blieb das Markenzeichen der Strecke bis zum Ende ihrer ersten Epoche: 1987 holte Nelson Piquet hier die Pole-Position in 1:23,357, mit einem Schnitt von 256,621 km/h, um Haaresbreite schneller als einen Monat zuvor in Silverstone.

Der erste Grand Prix zeigte, wie sehr Österreich auf diese Veranstaltung gewartet hatte. Zu den Trainings am Samstag kamen laut Jenkinson etwa 20.000 Menschen, und die Zeiten wurden von Hand gestoppt, was in einem Streit um den Startplatz zwischen Jackie Stewart und Ignazio Giunti endete. Als Ickx und Regazzoni am Sonntag das Ziel passiert hatten, strömten Tausende Italiener mit Fahnen der Ferrari-Clubs von den Tribünen, und die Siegerehrung ging in der Menge unter. Zwei Jahre später erinnerte sich Jenkinson, dass ein erfahrener Grand-Prix-Besucher die damalige Belagerung des Fahrerlagers mit einem mittelalterlichen Krieg verglichen habe. Rindt fuhr zwei Wochen nach Spielberg noch ein Formel-2-Rennen auf dem Salzburgring, und sechs Tage später, am 5. September 1970, verunglückte er im Training zum Großen Preis von Italien in Monza tödlich; Weltmeister wurde er posthum.

Das Warm-up am 17. August 1975

Die Nähe der Leitplanken und die hohen Geschwindigkeiten bereiteten von Anfang an Sorgen. Im Mai 1970 erfasste im Training zu einem Tourenwagenrennen ein außer Kontrolle geratener Wagen einen Streckenposten und tötete ihn; sein Name wurde nicht veröffentlicht. Fünf Jahre später, am Morgen des Großen Preises von Österreich, kostete ein Unfall zwei Menschen das Leben.

Mark Donohue, der den March des Penske-Teams als Zwanzigster qualifiziert hatte, ging ins Warm-up, kam nach vier Runden zu einer Routinekontrolle an die Box und fuhr gegen 9.45 Uhr wieder hinaus. In der zweiten Runde platzte bei etwa 260 km/h vor der ersten Kurve nach der Start-Ziel-Geraden ein Hinterreifen. Der Wagen kam von der Strecke ab, riss etwa 60 Meter Fangzaun nieder, flog über die Leitplanke und stürzte einige Meter hinter einer Unterführung, in der Menschen standen, in eine Schlucht. Trümmerteile, vor allem das Rad, trafen drei Streckenposten und einen Polizisten. Donohue wurde von einem Zaunpfosten oder einer Werbetafelstütze am Kopf getroffen und verlor das Bewusstsein; als Erste hielten Emerson Fittipaldi, Bob Evans und Hans-Joachim Stuck bei ihm an, und nach einigen Minuten kam der Verletzte zu sich und wechselte ein paar Worte mit ihnen. Aus dem Krankenhaus Knittelfeld wurde er in die Universitätsklinik Graz gebracht und dort operiert; er starb am 19. August an einem Blutgerinnsel im Gehirn. Im Krankenhaus Knittelfeld starb auch der 21-jährige Streckenposten Manfred Schaller aus Klagenfurt.

Das Rennen fand statt. Es wurde bei strömendem Regen nach 29 Runden abgebrochen; Vittorio Brambilla feierte den einzigen Sieg seiner Karriere und setzte den March im Ziel, die Arme jubelnd hochgerissen, gegen die Boxenmauer. Für das verkürzte Rennen gab es die halbe Punktzahl. Nach der Tragödie begann sich die Strecke zu verändern: 1976 wurde die Hella-Licht-Kurve verengt, und 1977 wurde dort eine vollwertige Schikane eingebaut, die die Runde auf etwa 5,94 km verlängerte.

Die folgenden Jahre brachten unerwartete Sieger. 1976 bescherte John Watson dem Penske-Team seinen einzigen Formel-1-Sieg, und 1977 holte Alan Jones seinen ersten Sieg, den einzigen in der Geschichte des Shadow-Teams. Die Österreicher warteten lange auf einen Heimsieg von Niki Lauda. Er startete hier 1974, 1975 und 1977 von der Pole-Position, gewann aber erst 1984, im zehnten Anlauf, in der Saison, in der er seinen dritten Weltmeistertitel holte. Im selben Rennen debütierte Gerhard Berger in der Formel 1 und kam als Zwölfter ins Ziel. Zwei Jahre zuvor hatte Elio de Angelis hier mit 0,050 Sekunden Vorsprung vor Keke Rosberg gewonnen.

Ein Reh auf der Strecke und drei Starts

Der Grand Prix 1987 war der letzte auf der alten Strecke. Am Freitagvormittag fuhr Stefan Johansson im McLaren auf die blinde Kuppe vor der schnellen Rindt-Kurve zu, als ein Reh aus dem Wald lief, über den Zaun sprang und auf die Strecke geriet. Das Auto erfasste das Tier mit der linken Front und schlug in die Leitplanken ein; der Schwede stieg mit Prellungen aus dem Wrack. Jenkinson hielt fest, dass Zuschauer wertvolle Teile aus dem Wrack stahlen und dass McLaren-Chef Ron Dennis den Veranstaltern eine Szene machte, als er erfuhr, dass das Tier schon vorher im Wald gesehen worden war. In der Nacht vor dem Rennen traf ein Transporter mit einem Ersatzchassis ein, der 24 Stunden ohne Pause von Woking nach Zeltweg gefahren war.

Am Sonntag musste das Rennen dreimal gestartet werden. Beim ersten Mal scherte der Zakspeed von Martin Brundle auf dem Anstieg hinter der Startlinie in die Leitplanken aus, und eine Massenkarambolage stoppte das Rennen; beim zweiten Mal kam Nigel Mansell schlecht weg, und Fahrer aus dem Mittelfeld, die ihm auswichen, krachten ineinander. Der Streckenbetreiber schreibt von einer Karambolage mit zwölf Autos auf der Startgeraden und von einem Start zwei Stunden nach der geplanten Zeit. Die Startgerade war nur etwa neun Meter breit, und schon 1985 war es dort zu einer Startkollision gekommen. Sieger wurde Mansell. Für die FIA brachten die Karambolagen auf der schmalen Geraden das Fass zum Überlaufen, und der Österreichring flog aus dem Kalender; laut Motorsport-Magazin.com war auch die Infrastruktur veraltet.

Ohne Formel 1 wurde es auf der Strecke nicht still. Die Auslaufzonen wurden vergrößert, die Bosch-Kurve leicht verengt, um ein Kiesbett unterzubringen, und die Startgerade um drei Meter verbreitert; 1988–1994 gastierte hier die Superbike-Weltmeisterschaft. 1993 gewann der einheimische Fahrer Andreas Meklau auf Ducati sein einziges WM-Rennen. Im Finale der österreichischen Tourenwagenmeisterschaft am 15. Oktober 1994 starb der 29-jährige Hannes Wustinger. Sein BMW M3 verunglückte im abgelegensten Teil der Strecke, der beim späteren Umbau wegfiel, und niemand sah den Unfall; die Fahrer weigerten sich, das Rennen wieder aufzunehmen, und die übrigen Läufe des Wochenendes wurden abgesagt. Den Ausschlag für den Umbau gab laut RacingCircuits.info 1995 ein Unfall in der ersten Kurve bei einem Lauf des deutschen STW-Cups, als der Audi von Hans Stuck hoch auf einen Erdwall fuhr.

Tilke kürzt die Strecke

Die Strecke, die heute Red Bull Ring heißt, entstand im Grunde im Winter 1995/1996, als Hermann Tilke den Österreichring zu einer kürzeren, moderneren Anlage umbaute. Den Abschnitt von der Hella-Licht bis zur Dr.-Tiroch-Kurve umging er mit einem neuen Teilstück, das in einer engen Kehre endete, anstelle der Bosch-Kurve setzte er eine zweite Kehre und verengte die Kurven im mittleren Teil; dazu entstanden neue Boxen und Tribünen. Die Strecke wurde verbreitert, auf 4,3 km verkürzt und mit neuen Auslaufzonen umgeben. Das Geld kam von einem großen österreichischen Telekommunikationsunternehmen, daher der Name A1-Ring. 1995 baute der ÖAMTC auf dem Gelände ein Fahrtechnikzentrum und wurde Betreiber der Anlage. RacingCircuits.info merkt an, viele hätten den schnellen Kurven nachgetrauert, doch die engeren Kurven hätten mehr Gelegenheiten zum Überholen gebracht, und genau darum sei es Tilke gegangen.

Die erste große Veranstaltung auf der neuen Strecke war 1996 der Motorrad-Grand-Prix, ein Jahr später kehrte die Formel 1 zurück. Das Rennen am 21. September 1997 gewann Jacques Villeneuve, und Gerhard Berger fuhr zum letzten Mal in seiner Karriere vor heimischem Publikum. Die Ära des A1-Rings prägten zwei Rennen mit Ferrari-Stallorder. 2001 hörte Rubens Barrichello über Funk „Lass Michael vorbei, für die Meisterschaft!“ und überließ Michael Schumacher den zweiten Platz. Ein Jahr später lag er das ganze Rennen über in Führung, ließ Schumacher aber in der letzten Kurve auf Anweisung von Teamchef Jean Todt passieren, und Schumacher gewann mit 0,182 Sekunden Vorsprung. Die Siegerehrung ging in Pfiffen unter, und die Fans riefen „Schiebung“. Der Grand Prix vom 18. Mai 2003, wieder von Schumacher gewonnen, sollte der letzte sein. Den Veranstaltern ging das Geld aus, als die Europäische Union Tabakwerbung bei Sportveranstaltungen verbot.

Bagger vor dem Bescheid

Das Gelände übernahm Dietrich Mateschitz, der Gründer von Red Bull, 1944 im steirischen St. Marein im Mürztal geboren, den, wie der ORF schrieb, in den 1970er-Jahren das Geschehen auf dem nahen Österreichring mit dem Motorsport-Virus angesteckt hatte. Die erste Vision sollte 700 Mio. Euro kosten: Das Portal VIENNA.AT schrieb von einer „Motorsport & Aviation Academy“, das Wochenmagazin „profil“ von einer neuen Strecke mit einer Motorsportakademie, einem Luftfahrtzentrum, einer Privatuniversität und Luxushotels. Um Platz zu schaffen, löste das Land den ÖAMTC aus dem Pachtvertrag heraus und ersetzte ihm Investitionen im Wert von 16,5 Mio. Euro, und Mateschitz schickte gleich nach der Vertragsunterzeichnung Abbruchtrupps auf das Gelände. Das Boxengebäude und die Haupttribüne wurden abgerissen, und quer über die Startgerade wurde ein Graben gezogen, der die Strecke in zwei Hälften teilte.

Den Antrag auf Genehmigung nach dem UVP-Gesetz stellte Red Bull am 1. September 2003. Das Projekt „Motorsportzentrum beim A1-Ring“ umfasste unter anderem die ehemalige Westschleife des Österreichrings, mit der die längste Streckenvariante 6,42 km gemessen hätte, eine Motocross-Strecke, Kartbahnen, einen Hubschrauberlandeplatz, ein Automuseum sowie ein Offroad-Gelände mit Strecken von insgesamt etwa 25 km auf rund 80 Hektar. Die steirische Landesregierung erteilte die Genehmigung am 1. Juni 2004. Schon seit Beginn des Verfahrens protestierten Anrainer gegen die Pläne, vor allem gegen die Offroad-Strecken; „profil“ schrieb bereits 2003 von etwa hundert Protestierenden. Berufung erhoben Nachbarn und zwei Bürgerinitiativen.

Der Umweltsenat, der über Berufungen gegen solche Bescheide entscheidet, hob die Genehmigung am 3. Dezember 2004 auf und wies den Antrag ab. In der Begründung berief er sich auf eine umweltmedizinische Sachverständige, nach deren Einschätzung über die Veranstaltungen innerhalb des 65-dB-Limits hinaus höchstens drei oder vier Großveranstaltungen pro Jahr zumutbar wären. Er verwies außerdem auf die zu erwartenden Überschreitungen der Grenzwerte für Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid sowie darauf, dass das Forstrecht eine Einzäunung des Waldes nicht zulasse; ohne Zaun aber käme es laut dem Wildsachverständigen auf den Offroad-Strecken zu Kollisionen mit Rehen. Mateschitz zog sich zurück. Mit starker Unterstützung der steirischen Politik kam das Projekt als „Spielberg Neu“ zurück, wieder mit Mateschitz: Im September 2005 unterzeichneten Red Bull, KTM, Magna und Volkswagen eine Absichtserklärung über eine Teststrecke für 100 bis 150 Mio. Euro. 2007 stieg Volkswagen aus dem Vorhaben aus, und „profil“ rechnete vor, das Land habe bereits fast 21 Mio. Euro an öffentlichen Geldern hineingesteckt. Im Januar 2008 bestätigte der Umweltsenat den positiven Bescheid für „Spielberg Neu“, und am 4. Februar 2008 wurde das Projekt nach einem Gespräch der steirischen Landesregierung mit den Investoren abgesagt.

Knapp zwei Monate später kündigte Red Bull den Bau einer abgespeckten Variante an. Die Arbeiten begannen am 10. Oktober 2008; als Tag, an dem das „Projekt Spielberg“ grünes Licht bekam, nennt der Betreiber den 20. Oktober 2008. Die Pläne für den Wiederaufbau stammten aus Tilkes Büro.

Der Ring mit dem Stier

Der Red Bull Ring wurde am 15. Mai 2011 präsentiert, und im Juni kam mit der DTM die erste große Serie. Ein Jahr später wurde im Inneren der Strecke das Wahrzeichen der Anlage aufgestellt: ein Stahlstier, der samt Bogen 17,2 Meter misst und 68 Tonnen wiegt. Der Streit um den Lärm blieb. Anrainersprecher Karl Arbesser sagte im November 2011, an Veranstaltungstagen würden die Vorschriften eingehalten, der Jahresmittelwert des Lärms liege aber bei 62,4 dB statt 61 dB. Strafen gab es nicht, weil die Tages- und Spitzenwerte eingehalten wurden. Die Genehmigung begrenzte auch die Zahl der Zuschauer pro Veranstaltungstag und die Zahl solcher Tage; als am 23. Juli 2013 die Rückkehr der Formel 1 bekanntgegeben wurde, sagte ein Beamter der Bezirkshauptmannschaft Murtal, er rechne mit Anträgen auf Änderung der Auflagen, und vor dem Rennen reichten zehn Anrainer Beschwerden ein.

Die Formel 1 kehrte am 22. Juni 2014 nach elf Jahren Pause zurück; es gewann Nico Rosberg. 2016 kehrte auf völlig neuem Asphalt nach neunzehn Jahren auch der Motorrad-Grand-Prix zurück, und laut Betreiber kamen zum ersten Wochenende mehr als 200.000 Zuschauer. 2018 bescherte Max Verstappen dem Team Red Bull Racing den ersten Sieg auf der Strecke des eigenen Konzerns. 2020, in der Pandemie, eröffnete Spielberg zum ersten Mal in der Geschichte der Formel 1 die Weltmeisterschaft, und zwar mit zwei Rennen ohne Publikum: dem Großen Preis von Österreich und dem Großen Preis der Steiermark. Im zweiten stellte Carlos Sainz mit 1:05,619 den bis heute gültigen Rundenrekord im Rennen auf.

Auch die Motorräder veränderten die Strecke. Nach dem schweren Unfall von Franco Morbidelli und Johann Zarco im MotoGP-Rennen 2020 forderten Fahrer und Rennverantwortliche, das Tempo in der schnellen Kurve 2 zu drosseln. Tilke entwarf an dieser Stelle die Münzer-Schikane, zwei rechtwinklige Kurven, ausgewählt aus 15 Vorschlägen; sie wird nur von Motorrädern befahren und verlängert die Runde um 30 Meter. 2022 zogen die vier größten Veranstaltungen der Strecke, Formel 1, MotoGP, DTM und GT Masters, mehr als 540.000 Zuschauer an, und im Oktober desselben Jahres starb Dietrich Mateschitz im Alter von 78 Jahren. Den Vertrag mit der MotoGP bis 2030 unterzeichneten 2024 Carmelo Ezpeleta und Mark Mateschitz, und 2025 verlängerte die Formel 1 ihren Vertrag bis 2041. Im Juni 2026 gewann hier George Russell im Mercedes.

Mit dem eigenen Auto auf der Formel-1-Strecke

Amateuren bietet der Red Bull Ring mehrere Einstiege. Der Betreiber verkauft das „Driver Training mit eigenem Fahrzeug“: Das Paket Bronze umfasst drei Stunden auf dem Übungsplatz des Driving Centers, Silber anderthalb Stunden auf dem Übungsplatz und eine Stunde auf der Strecke, Gold viereinhalb Stunden auf dem Übungsplatz und zwei auf der Strecke, wo man in einer Session „Lead & Follow“ fährt, also hinter einem Führungsfahrzeug. Im Herbst 2026 kostete das Paket Silber 384 Euro inklusive 20 % Umsatzsteuer. Daneben gibt es „Freies Fahren mit eigenem Fahrzeug“, 20-minütige Sessions zu je 66 Euro, für Fahrer mit Führerschein der Klasse B und Fahrzeuge, die nicht lauter als 98 dB sind; der Betreiber weist darauf hin, dass auf dem Gelände die Straßenverkehrsordnung gilt, mit Ausnahme der Geschwindigkeitsbegrenzung.

Klassische Trackdays, bei denen man den größten Teil des Tages frei fährt, richten externe Veranstalter aus. GT Days verkaufte den Tag am 25. Mai 2026 ab 699 Euro inklusive Umsatzsteuer: Fahrbetrieb von 8.30 bis 17.00 Uhr in Gruppen, in 30-minütigen Turns, mit einem Limit von 100 dB, Helm für Fahrer und Beifahrer sowie Straßenreifen in den ersten beiden Gruppen. Die Reischl Speed Academy verlangte 690 Euro für den 26. September 2026, an dem die Lautstärke über ein Lärmkontingent bei einem Limit von 100 dB abgerechnet wurde und die Versicherung des Autos Sache des Teilnehmers war. Schnelle Schwaben bietet seinen Oktobertermin als Fahrsicherheitstraining für 799 Euro an, lässt nur Fahrzeuge mit regulärer Zulassung und ohne Slicks zu und untersagt Rennen und die Jagd nach der Höchstgeschwindigkeit. Im selben Reglement steht die Vorgabe, einen LAeq-Wert von 61 nicht zu überschreiten. Das ist dieselbe Zahl, die der Anrainersprecher 2011 als zulässigen Jahresmittelwert des Lärms nannte.

Chronik

  • 1964: erster Großer Preis von Österreich zur Formel-1-Weltmeisterschaft, auf dem Flugplatz Zeltweg
  • 1969: Eröffnung des Österreichrings (26.–27. Juli) und 1000-km-Rennen (10. August)
  • 1970: erster Formel-1-Grand-Prix auf dem Österreichring, Sieg von Jacky Ickx
  • 1975: Tod von Mark Donohue und Streckenposten Manfred Schaller nach einem Unfall im Warm-up
  • 1977: Schikane in der Hella-Licht-Kurve
  • 1984: Niki Laudas einziger Heimsieg
  • 1987: drei Starts und der letzte Grand Prix auf der alten Strecke
  • 1996: Eröffnung des verkürzten A1-Rings
  • 1997–2003: Formel 1 auf dem A1-Ring
  • 2004: Umweltsenat weist das Red-Bull-Projekt ab (3. Dezember)
  • 2008: Aus für „Spielberg Neu“ (4. Februar) und Beginn des Wiederaufbaus (10. Oktober)
  • 2011: Eröffnung des Red Bull Rings (15. Mai)
  • 2014: Rückkehr der Formel 1
  • 2016: Rückkehr des Motorrad-Grand-Prix
  • 2020: zwei Formel-1-Rennen zum Saisonauftakt
  • 2022: Münzer-Schikane für Motorräder
  • 2025: Vertrag mit der Formel 1 bis 2041
Quellen (54)