Nürburg, Deutschland
Nürburgring Nordschleife: von Landrat Creutz' Kühen bis 5:19,55
Nordschleife: Bau 1925–1927 als Notstandsarbeit in der armen Eifel, Grand-Prix-Ära bis zu Laudas Unfall, 24h Nürburgring, NLS, Rekorde, Touristenfahrten.
- Typ
- Rennstrecke
- Länge
- 20,832 km
- Eröffnung
- 1927

Im Juli 1924 fuhr Otto Creutz, Landrat des Kreises Adenau, mit einigen Kreistagsmitgliedern zum Eifelrennen, dem seit 1922 auf öffentlichen Straßen bei Nideggen ausgetragenen ADAC-Rennen. Er kehrte ernüchtert zurück: Trotz der Absperrungen liefen Zuschauer, Anwohner und Vieh über die Strecke. „Ich lasse mir doch meine Kühe nicht über den Haufen fahren. Ich bin in erster Linie Landrat für die Bauern hier und dann erst für die Autofahrer“, soll er gesagt haben. Aus diesem Widerstand entstand die Idee einer vom Verkehr vollständig getrennten Strecke mit Brücken und Unterführungen, die rund um die Burg Nürburg führen sollte. Drei Jahre später war diese Straße 22,810 km lang und hieß Nordschleife.
| Lage | Nürburg, Kreis Ahrweiler, Rheinland-Pfalz, Deutschland; die Strecke verläuft durch die Gemeinden Adenau, Herresbach, Herschbroich, Meuspath, Müllenbach, Nürburg, Quiddelbach und Wimbach |
| Typ | permanente Straßenrennstrecke, nördliche Schleife des Nürburgring-Komplexes |
| Länge | 20,832 km seit dem Umbau 2001/2002; 22,810 km in der Konfiguration von 1927 |
| Eröffnung | 18. und 19. Juni 1927 (Eifelrennen) |
| Höchster Punkt | Hohe Acht, mehr als 600 m ü. NN; der tiefste liegt in Breidscheid |
| Schnellste Runde an einem Rennwochenende | 6:11,13, Stefan Bellof, Porsche 956, Training zum 1000-km-Rennen Nürburgring, 28. Mai 1983 (verkürzte Konfiguration 20,835 km) |
| Schnellste Runde überhaupt | 5:19,55, Timo Bernhard, Porsche 919 Hybrid Evo, Rekordfahrt am 29. Juni 2018, 20,832 km |
| Betreiber | Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG |
| Wichtigste Veranstaltungen | ADAC 24h Nürburgring (seit 1970), Nürburgring Langstrecken-Serie (früher VLN, seit 1977), Touristenfahrten |
| Status | in Betrieb |
Die Kühe des Landrats und „preußisch Sibirien“
Der Kreis Adenau galt Mitte der 1920er Jahre als ärmster Kreis im Land, und die ganze Eifel nannte man „preußisch Sibirien“. Im Verwaltungsbericht für 1925 wurde festgehalten, dass der Kreis, in dem „außer einigen Steinbrüchen jegliche Industrie fehlt“, ein Überangebot an Arbeitskräften habe, weil der karge Boden die Menschen nicht ernähren könne. Creutz, von 1924 bis 1932 Landrat, sah in der Strecke zweierlei zugleich: ein Mittel, Touristen anzuziehen, und ein Versuchsgelände für die Automobilindustrie. Zum Kreis der Initiatoren gehörten auch der Nürburger Gemeindevorsteher Hans Pauly, der örtliche Bäcker Franz-Xaver Weber und der Bonner Kaufmann Hans-W. Weidenbrück, der in Nürburg die Jagdrechte gepachtet hatte. Weidenbrück war es, der den grundlegenden Verlauf der Strecke über die Hügel und Hochflächen rund um die Burg absteckte.
Am 15. April 1925 fuhr Creutz nach Berlin und überzeugte die Beamten des preußischen Wohlfahrtsministeriums sowie des Reichsverkehrsministeriums davon, dass die Strecke eine dringliche Notstandsmaßnahme sei; KuLaDig nennt sie die größte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des Reiches. Der Kostenvoranschlag lautete zunächst auf 2,5 Mio. Mark, wuchs noch im selben Jahr auf 4 Mio. und 1926 auf 5 Mio. Hinter dem Projekt stand auch der Kölner ADAC; laut RacingCircuits.info stimmte Creutz es mit dem Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer ab, dem späteren Bundeskanzler. Die Arbeiten begannen am 1. Juli 1925, noch bevor am 13. August die förmliche Genehmigung einging. Am 10. Juli fand auf der Burg eine Versammlung statt, bei der etwa 110 Personen, darunter der Eifelverein, gegen die Verunstaltung der Landschaft protestierten; die Behörden erklärten die Einwände für gegenstandslos. Der Grundstein wurde am 27. September 1925 gelegt, und am 30. Oktober wurde der Name „Nürburg-Ring“ festgelegt, damals noch mit Bindestrich.
Zwei Jahre Bauzeit
Der Bau dauerte zwei Jahre; zu Spitzenzeiten waren Tausende Arbeiter im Einsatz, die überwiegend von Hand arbeiteten. Der fertige Komplex maß 28,265 km und bestand aus drei Teilen: der Nordschleife mit einer Länge von 22,810 km, der Südschleife (7,747 km) sowie einer kurzen Startschleife, offiziell Start-und-Ziel-Schleife, umgangssprachlich Betonschleife. Dazu kam ein eigener Erprobungsabschnitt für die Industrie, die Steilstrecke, mit einer Steigung von 27 Prozent. Die längste Gerade, von der Döttinger Höhe bis Tiergarten, maß 2,6 km, die engste Kurve, das Karussell, hatte einen Radius von 33 m, und die Steigungen erreichten 17 Prozent. Die Nordschleife folgte teilweise vorhandenen Straßen und Wegen, besonders zwischen Hatzenbach und Adenauer Forst, während der Abschnitt von Breidscheid bis zur Hedwigshöhe von Grund auf neu abgesteckt wurde. Entlang der Schleife wurden zehn (später sechzehn) Streckenpostenhäuschen mit Telefonverbindung aufgestellt.
Die Eröffnung erfolgte am 18. und 19. Juni 1927, als das Eifelrennen aus dem Kreis Düren hierher verlegt wurde. Am ersten Tag fuhren die Motorräder; es gewann Tony Ulmen auf einer Velocette. Das Hauptrennen der Automobile am zweiten Tag, 340 km oder 12 Runden über den gesamten Komplex samt Südschleife, gewann der im nahen Remagen geborene Rudolf Caracciola auf Mercedes in 3:33:21,0 Stunden, mit einem Schnitt von rund 96 km/h. Nach Angaben der Gemeinde Nürburg kamen 85.000 Zuschauer, die meisten mit der Bahn, dem Fahrrad oder zu Fuß. Ein bei der Eröffnung anwesender englischer Journalist urteilte, dass „man wohl einen torkelnden Riesen im Vollrausch losgeschickt hat, um die Strecke festzulegen“.
Caracciolas Graben und der erste Stein
Die bekannteste Kurve der Nordschleife entstand aus einer Abkürzung. Im Karussell hängte Caracciola das kurveninnere Rad regelmäßig in den Graben am Straßenrand, was ihm bis zu zwei Sekunden pro Runde einbrachte. Als die Konkurrenz es ihm nachmachte, wurde der Graben in der Saison 1933 mit Beton ausgegossen, und so entstand die Steilkurve; mit der Zeit wurde das Betonband so verbreitert, dass ein ganzes Auto darin Platz fand. Im Jahr 2001, zum hundertsten Geburtstag des Fahrers, erhielt die Kurve offiziell den Namen Caracciola-Karussell.
Das erste Todesopfer forderte die Strecke ein Jahr nach der Eröffnung. Am 15. Juli 1928 verunglückte der Tscheche Čeněk Junek mit seinem Bugatti 35B im Abschnitt Bergwerk tödlich; heute erinnert ein Gedenkstein vor dem Hotel Dorint an ihn. Weitere folgten. RacingCircuits.info nennt unter den auf der Nordschleife Getöteten Onofre Marimón, Peter Collins, Carel Godin de Beaufort und Gerhard Mitter. Bis 1976 kamen auf dem Ring Dutzende Rennfahrer ums Leben, und das Wochenmagazin „Der Spiegel“ zählte dazu noch 53 Touristen, die mit dem eigenen Auto oder Motorrad auf die Strecke gefahren waren, vier Zuschauer und einen Streckenposten. Selbst Jochen Rindt soll nach seiner ersten Fahrt gesagt haben: „Ich hatte richtig Angst.“
Der Krieg unterbrach die Rennen. Das Hotel an der Tribüne diente als Unterkunft für Evakuierte aus den bombardierten Städten und danach als Lazarett; in den unteren Räumen des Mercedes-Turms wurde Vieh gehalten. In den letzten Kriegsmonaten zerstörten alliierte Panzer die Strecke. Das erste Nachkriegsrennen fand 1947 statt, auf der Südschleife; die Nordschleife kam im Mai 1949 wieder in Betrieb, und 1951 gastierte erstmals die Formel 1. Den Großen Preis von Deutschland und Europa von 1954 sahen laut KuLaDig 300.000 Zuschauer.
Boykott, Planierraupen und Leitplanken
Bis zum Umbau der Jahre 1970–1971 hatte die Nordschleife keine Leitplanken, dafür aber Sprungkuppen und überhöhte Kurven. Die ersten Änderungen waren punktuell: 1967 wurde vor der Start-und-Ziel-Geraden die Hohenrain-Schikane eingebaut, weil die aus dem schnellen Bogen kommenden Autos dem Dunlop-Turm gefährlich nahekamen, und 1969 wurde die neue Boxengasse erstmals durch eine Barriere von der Strecke getrennt. Das reichte nicht. 1970 boykottierten die Formel-1-Fahrer die Strecke, und der Große Preis von Deutschland wurde nach Hockenheim verlegt.
Im Februar 1971 rückten die Planierraupen auf der Nordschleife an. Es wurden Leitplanken montiert, die Grünstreifen verbreitert, die Sprungkuppen in Kesselchen und Brünnchen beseitigt und sichtbehindernde Bäume gefällt. Die Formel 1 hielt den Umbau für ausreichend und kehrte 1971 zurück, vorerst für zweimal drei Jahre; es gewann Jackie Stewart auf Tyrrell, eben jener Fahrer, der am lautesten gegen die Gefahren des Rings protestiert hatte und dem die Nordschleife ihren Beinamen „Grüne Hölle“ verdankt. Im Winter 1972/73 wurden die Brücken in Hatzenbach und Breidscheid umgebaut, sodass die Strecke in voller Breite unter ihnen hindurchführte. Nach diesen Arbeiten maß die Nordschleife 22,835 km.
Zweite Runde, Bergwerk
Im Sommer 1976 lief der Vertrag der Formel 1 mit dem Nürburgring aus. Vor dem Rennen sagte Niki Lauda offen, die Kombination aus Nordschleife und Formel-1-Wagen sei schlicht zu gefährlich und man solle auf den Start verzichten; am Rennwochenende begegnete ihm ein Teil der Fans deswegen feindselig. Am 1. August, in der zweiten Runde, kam sein Ferrari 312T2 in der Linkskurve vor dem Abschnitt Bergwerk von der Strecke ab, durchschlug die Fangzäune, prallte gegen die Böschung und schleuderte brennend auf die Strecke zurück, wo ihm die nachfolgenden Autos nicht mehr ausweichen konnten. Den bewusstlosen Lauda zogen andere Fahrer aus dem Feuer. Das Rennen wurde neu gestartet; Lauda kehrte wenige Wochen später in den Rennsport zurück und verlor den WM-Titel denkbar knapp.
Der Streckenbetreiber rückt heute die Legende zurecht, der Unfall Laudas allein habe die Grand-Prix-Ära auf der Nordschleife beendet. Die Entscheidung fiel erst im März 1977, bei einer Streckenbegehung unter Beteiligung von Vertretern der Formel-1-Fahrer. RacingCircuits.info fügt dem die Bedürfnisse des Fernsehens und die Logistik hinzu: Auf einer 14 Meilen langen Schleife ließen sich Streckenposten und medizinische Hilfe nicht wirksam verteilen. Andere Serien blieben länger. 1981 kam beim 1000-km-Rennen Herbert Müller ums Leben, der beim Ausweichen vor einem sich drehenden Auto in einen Erdwall in Kesselchen einschlug. Das letzte Rennen auf der alten Schleife mit der historischen Boxengasse wurde im Oktober 1982 ausgetragen, und im November rissen Planierraupen die Boxen und die Nordkehre ab, um eine neue Verbindung ab Hohenrain zu schaffen. Der Bau der kurzen Grand-Prix-Strecke dauerte von November 1981 bis zum 12. Mai 1984; das Eröffnungsrennen mit leicht modifizierten Serien-Mercedes gewann der damals noch wenig bekannte Ayrton Senna, unter den Teilnehmern war auch Lauda. Die neue Schleife hat ihre eigene Geschichte; die Nordschleife blieb daneben als Ort der Langstreckenrennen und der Touristenfahrten.
Neunundneunzig Autos in der Dämmerung
In den Jahren 1967–1969 veranstaltete der ADAC Nordrhein auf der Nordschleife 24-Stunden-Zuverlässigkeitsprüfungen, die den Teams so gefielen, dass 1969 die Pläne für ein echtes Rennen bekanntgegeben wurden. Zur Premiere 1970 kamen 99 Autos. Es gewann der neunzehnjährige Hans-Joachim „Striezel“ Stuck zusammen mit Clemens Schickentanz auf einem BMW des Teams Koepchen. 1973 probierte man das Format acht Stunden Rennen, acht Stunden Pause, acht Stunden Rennen aus, mit einem Rummelplatz für die Zuschauer; damals gewann Niki Lauda mit Hans-Peter Joisten auf einem BMW 3.3 CSL in den Farben von Jägermeister. Wegen der Ölkrise fielen die Rennen 1974 und 1975 aus, wegen des Streckenumbaus das Rennen 1983; seit 1984 wird das Rennen auf der Verbindung von Grand-Prix-Strecke und Nordschleife gefahren.
Die Chronik des ADAC ist voll von Zahlen, die anderswo undenkbar wären. 1999, nach der Liberalisierung des Reglements, wurden 201 Teams gemeldet, und ein Teil der Nennungen musste abgelehnt werden; 2007 gingen 224 Autos an den Start. 1998 errang ein BMW 320d vor 63.000 Zuschauern den weltweit ersten Dieselsieg in einem 24-Stunden-Rennen. 1996 gewann Sabine Schmitz, damals noch Reck, als erste Frau das Rennen, zusammen mit Johannes Scheid und Hans Widmann; ein Jahr später wiederholte sie den Erfolg. Im Jahr 2021 wurde die erste Linkskurve der Nordschleife, die frühere Nordkehre hinter dem Abschnitt T13, nach ihr benannt. Der Distanzrekord gehört dem Audi R8 des Teams Phoenix von 2014: 159 Runden, 4035,102 km. Das knappste Finish gab es 2016, als zwei Mercedes die letzte Runde mit einem Abstand von 0,78 s begannen und Maro Engel Christian Hohenadel in der Ravenol-Kurve überholte; im Ziel betrug der Unterschied 5,697 s.
Das Rennen hat auch dunklere Kapitel. Im März 2015, während des ersten VLN-Laufs, hob der Nissan GT-R GT3 von Jann Mardenborough auf der Kuppe am Flugplatz ab und schlug in einen Zuschauerbereich ein; einer der Zuschauer starb. Der DMSB setzte die Nordschleifen-Lizenz für die schnellsten Klassen aus, und nach ihrer Wiedererteilung wurden Zonen mit Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt: 200 km/h am Flugplatz, am Schwedenkreuz und an der Antoniusbuche sowie 250 km/h auf der Döttinger Höhe. Diese Limits galten auch beim 24h-Rennen 2015, zum ersten Mal in der Geschichte des Rennens. Für die Saison 2016 wurde der Belag an der Quiddelbacher Höhe und am Flugplatz eingeebnet und die Verteilung der Zuschauerbereiche geändert.
Ein Pokal, der zur Serie wurde
Ein Jahr, nachdem die Formel 1 hier zum letzten Mal gefahren war, entstand auf der Nordschleife eine Serie für Amateure. 1976 wurde die Veranstaltergemeinschaft Langstreckenpokal Nürburgring gegründet, kurz VLN, ein Zusammenschluss von Veranstaltern, gedacht als Plattform sowohl für Profiteams als auch für ambitionierte Amateure. Das erste Rennen fand am 23. April 1977 statt; ausgerichtet wurde es vom Auto-Sport-Club Ahrweiler im ADAC, und es gewannen Matthias Schneider und Franz-Rudolf Ubach auf einem Ford Escort RS 2000. In den ersten dreizehn Saisons gewannen am häufigsten Volkswagen (397 Siege) und Ford (284); inzwischen führen BMW und Porsche. Heute stehen hinter dem Kürzel VLN acht Clubs: ADAC Nordrhein, MSC Adenau, MSC Sinzig, MSC Ruhr-Blitz Bochum, AC Altkreis Schwelm, Düsseldorfer Automobil- und Motorsport-Club 05, Rheydter Club für Motorsport und Motor-Club Roetgen. Bis März 2019 wurden 421 Rennen ausgetragen.
Im Jahr 2020 änderte die Serie ihren Namen in Nürburgring Langstrecken-Serie, NLS, doch das Konzept blieb: einige Läufe pro Saison, meist über vier Stunden, auf der Verbindung von Nordschleife und Grand-Prix-Strecke, in einem gemeinsamen Starterfeld vom kleinen Serienwagen bis zum GT3. Am 14. März 2026 begann die fünfzigste Saison. Die Hersteller nutzen diese Rennen als Erprobungsplattform, und viele spätere Werksfahrer haben genau hier angefangen.
6:11,13 und 5:19,55
Am 28. Mai 1983, im Training zum letzten auf der Nordschleife ausgetragenen 1000-km-Rennen, fuhr Stefan Bellof eine Runde im Werks-Porsche 956 in 6:11,13. Wegen der laufenden Bauarbeiten war die Schleife auf 20,835 km verkürzt, und der Schnitt betrug 202,07 km/h. Das Ergebnis wurde im Rennbetrieb erzielt, an einem Rennwochenende, mit einem reglementskonformen Auto, und niemand konnte es später regulär unterbieten, weil solche Kategorien auf der Nordschleife nicht mehr zugelassen wurden. Im Jahr 2013, zum dreißigsten Jahrestag, erhielt ein Abschnitt im Pflanzgarten den Namen Stefan-Bellof-S.
Der Rekord hielt 35 Jahre und 31 Tage. Am Morgen des 29. Juni 2018 fuhr Timo Bernhard die vollen 20,832 km im Porsche 919 Hybrid Evo in 5:19,55, bei einem Schnitt von 233,8 km/h und einer Höchstgeschwindigkeit von 369,4 km/h. Das Auto war die vom WEC-Reglement befreite Version jenes Prototyps, der dreimal Le Mans gewonnen hatte: 1160 PS Systemleistung, 849 kg, aktive Aerodynamik mit über 50 Prozent mehr Abtrieb. „Heute ist mein Respekt vor seiner Leistung mit der damals verfügbaren Technik noch weiter gewachsen“, sagte Bernhard über Bellof. KuLaDig zitiert bei dieser Gelegenheit „auto motor und sport“: Puristen und Rennhistoriker dürften einen Rekord unter Laborbedingungen kaum gelten lassen.
Der Betreiber schreibt, der Asphalt durch die Eifel sei seit fast einem Jahrhundert ein Prüfstein für Hersteller aus aller Welt, und erinnert an den Slogan „Jeder lobt, was Nürburgring erprobt“. Seit der Saison 2019 werden Rundenrekorde vom Nürburgring offiziell protokolliert, bestätigt und veröffentlicht: Es zählt die volle Runde über 20,832 km mit fliegendem Start, gemessen ab der Start-und-Ziel-Linie im Abschnitt T13, mit zertifizierter Zeitnahme, in Anwesenheit eines Notars und im Fall von Serienautos nach der Prüfung des Serienzustands durch eine unabhängige Organisation. Die Autos werden nach den Kategorien des Kraftfahrt-Bundesamtes eingeordnet.
Ein Ticket pro Runde
Die Nordschleife diente von den ersten Jahren an auch als Touristenstraße, und nach der Eröffnung der Grand-Prix-Strecke im Jahr 1984 gewann sie darin noch mehr an Bedeutung. Früher kostete eine Runde 4 Mark; 2019 waren es 25 Euro unter der Woche und 30 Euro von Freitag bis Sonntag. Im Jahr 1998 wurde an der Geraden Döttinger Höhe der Komplex Grüne Hölle mit Restaurant, Parkplatz und Schrankenanlage gebaut, wodurch eine volle Runde ohne Abbremsen nicht mehr möglich ist. Amateure stoppen ihre Zeit „von der Brücke bis zur Schilderbrücke“ (Bridge to Gantry), was der Betreiber nicht gutheißt. Während der Touristenfahrten gelten die Straßenverkehrsordnung, das Rechtsüberholverbot, das Fahrverbot nach festgestelltem Flüssigkeitsaustritt oder nach einer Kollision sowie ein Lärmgrenzwert von 130 dB(A). Fahrzeuge, die konstruktionsbedingt oder wegen ihres technischen Zustands keine 130 km/h erreichen, sowie Quads werden nicht zugelassen; verboten sind Foto- und Filmaufnahmen sowie kommerzielle Taxifahrten. Die Statistik der getöteten Touristen von 1976 zeigt, dass diese Vorschriften nicht aus dem Nichts kommen.
Die Eigentümer wechselten häufiger als die Streckenführung. Die Betreibergesellschaften, die mehrheitlich dem Land Rheinland-Pfalz und dem Kreis Ahrweiler gehörten, meldeten im Mai 2013 Insolvenz an, nachdem das Projekt „Nürburgring 2009“, ein Freizeitpark mit Einkaufszentrum, mehr als 300 Mio. Euro an öffentlichen Geldern verschlungen hatte. Am 11. März 2014 kaufte die capricorn-Gruppe das Vermögen, und im Oktober desselben Jahres übernahm der russische Pharmaunternehmer Viktor Charitonin ihren 77-prozentigen Anteil. Heute betreibt die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG die Strecke. Seit 1927 hat sich in der Eifel fast alles verändert, nur die Schleife selbst nicht: 2027 wird die Nordschleife hundert Jahre alt, und im Kalender des Betreibers für dieses Jahr steht bereits eine Bedarfsabfrage für Streckentermine.
Zeittafel
- 1924: Landrat Otto Creutz und Kreistagsmitglieder aus Adenau sehen das Eifelrennen bei Nideggen; die Idee einer vom Verkehr getrennten Strecke entsteht.
- 1925: 15. April Besprechung in Berlin; 1. Juli Beginn der Arbeiten; 27. September Grundstein; 30. Oktober Name „Nürburg-Ring“.
- 1927: 18. und 19. Juni Eröffnung mit dem Eifelrennen; es gewinnen Tony Ulmen (Motorräder) und Rudolf Caracciola (Automobile); 85.000 Zuschauer.
- 1928: 15. Juli stirbt Čeněk Junek, das erste Opfer der Strecke.
- 1933: der Graben im Karussell wird mit Beton ausgegossen.
- 1947: erstes Nachkriegsrennen auf der Südschleife; 1949 Rückkehr des Rennsports auf die Nordschleife; 1951 erster Großer Preis der Formel 1.
- 1967: Hohenrain-Schikane; 1969 neue Boxengasse mit Barriere.
- 1970: Boykott der Formel 1; 1971 Umbau mit Leitplanken und Rückkehr der F1.
- 1970: erstes 24h Nürburgring, 99 Autos, Sieg von Stuck und Schickentanz.
- 1976: 1. August Unfall Laudas vor Bergwerk; März 1977 Entscheidung über das Ende der F1 auf der Nordschleife.
- 1977: 23. April erstes VLN-Rennen.
- 1982: Oktober, letztes Rennen auf der alten Schleife; November, Abriss der Boxen und der Nordkehre.
- 1983: 28. Mai Bellof, 6:11,13.
- 1984: 12. Mai Eröffnung der Grand-Prix-Strecke; 24h-Rennen auf der kombinierten Strecke.
- 1998: Komplex Grüne Hölle an der Döttinger Höhe.
- 2001/2002: letzter größerer Umbau; die Nordschleife misst 20,832 km.
- 2013: Insolvenz der Betreibergesellschaften; 2014 Verkauf an die capricorn-Gruppe und Übernahme der Anteile durch Charitonin.
- 2015: Unfall am Flugplatz, Tod eines Zuschauers, Zonen mit Geschwindigkeitsbegrenzung.
- 2018: 29. Juni Bernhard, 5:19,55.
- 2019: der Nürburgring beginnt, Rundenrekorde offiziell zu protokollieren.
- 2020: VLN ändert den Namen in NLS.
- 2021: 18. Juni Sabine-Schmitz-Kurve.
- 2026: 14. März Beginn der 50. NLS-Saison.
Quellen (10)
- Franz-Josef Knöchel, Automobilrennstrecke Nürburgring, KuLaDig – Kultur.Landschaft.Digital (Landschaftsverband Rheinland) [de]
- Nürburgring, RacingCircuits.info [en]
- Ortsgemeinde Nürburg, Der Nürburgring, Nürburg.de [de]
- Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG, Vor 50 Jahren: Der Unfall von Niki Lauda, nuerburgring.de, 2026-08-01 [de]
- 50 Jahre ADAC TotalEnergies 24h Nürburgring: Chronik der 24h Nürburgring 1970 – 2022, 24h-rennen.de (oficjalny serwis wyścigu), 2022-05-20 [de]
- VLN-Statistik jetzt komplett ab dem Gründungsjahr 1977, ADAC Nürburgring Langstrecken-Serie (nuerburgring-langstrecken-serie.de), 2019-03-17 [de]
- 50 Jahre Langstreckensport auf der Nordschleife, Motorsport XL [de]
- 5:19.55 minutes – Porsche 919 Hybrid Evo takes record in the “Green Hell, 2018-06-29 [en]
- Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG, Rekordfahrten, nuerburgring.de [de]
- Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG, Touristenfahrten Nürburgring – Wichtige Hinweise und Regeln, nuerburgring.de [de]